Kinder werden zu Sportmuffeln
forsa-Studie: Jedes dritte Kind in Deutschland macht keinen Sport.
Kinder verbringen immer mehr Zeit am Computer oder vor dem Fernseher - dies geht auf Kosten von Sport und Bewegung. Immerhin jedes dritte Kind in Deutschland verzichtet komplett auf Sport als Freizeitaktivität. Dies ist das Ergebnis einer forsa-Studie im Auftrag der Kinderschuhmarke Elefanten aus dem Januar 2008. Die Befragung bei fast 800 Eltern mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren bestätigt, wovor Wissenschaftler schon lange warnen: Deutsche Kinder entwickeln sich immer mehr zu Sportmuffeln. Auch Kindergärten und Schulen tragen offenbar immer weniger zum Ausgleich dieses Defizits bei.

"Wenn Kinder immer weniger
Sport machen, sehe ich darin eine gefährliche Entwicklung, denn Sport ist ein
elementarer Faktor für einen gesunden Körper und Geist", erklärt Professor
Dr. Klaus Bös vom Institut für Sport und Sportwissenschaften der Universität
Karlsruhe. Auch er hat in einer Studie herausgefunden: Die Beweglichkeit
unserer Kinder hat im Laufe der letzten 30 Jahre deutlich nachgelassen.
"Jungen springen zum Beispiel aus dem Stand gut 12, Mädchen sogar 17
Zentimeter weniger weit als vor 30 Jahren", sagt Bös.
Generell sind Sport und Bewegung bei Kindern rückläufig. Die forsa-Studie
zeigt, dass sich fast 60 Prozent aller Kinder gar nicht oder weniger als eine
Stunde pro Tag sportlich betätigen. Und auch das Toben an der frischen Luft ist
heute bei den Kleinen nicht mehr angesagt. 36 Prozent der Kinder spielen im
Durchschnitt weniger als eine Stunde draußen. Und 12 Prozent verzichten sogar
vollständig darauf.
Beliebter in der Freizeit der Kinder sind heute Fernsehen und Computer. Fast 40
Prozent verbringen mindestens eine Stunde oder mehr an den elektronischen
Geräten. Dabei ist bekannt: "Zu großer Fernsehkonsum fördert insbesondere
Übergewicht", erklärt Professor Dr. Bös. Immerhin ist schon heute jedes
dritte Kind unter zwölf Jahren zu dick.
Ballsportarten bei Kindern Nummer Eins
Bei den Kindern, die Sport treiben, sind die Ballsportarten nach wie vor ganz
hoch im Kurs. Die Elefanten-Studie zeigt, dass sich jedes zweite
sportbegeisterte Kind Fußball, Handball, Volleyball oder anderen Ballsportarten
verschrieben hat. In der Beliebtheitsskala folgen Schwimmen (28 Prozent) und
Turnen (26 Prozent).
Positiv wirkt es sich aus, wenn die Eltern mit ihren Kindern Sport machen.
Besonders beliebt sind Outdoor-Aktivitäten wie Wandern, Spazierengehen oder
Radfahren. 74 Prozent der Eltern, die mit ihren Kindern zusammen Sport machen,
entscheiden sich für diese Hobbys. Aber auch Ballspiele wie Fußball und Tennis
(46 Prozent) und Beschäftigungen rund um den Spielplatz (41 Prozent) liegen
hoch im Kurs.
Eltern wollen abwechslungsreichen Sportunterricht
Ein Problem für viele Eltern ist, dass sie immer weniger Zeit haben, sich um
Sport und Bewegung ihrer Kinder zu kümmern. Denn die meisten Frauen sind heute
nicht mehr ausschließlich für die Familie zuständig, sondern haben auch noch
einen Beruf, dem sie zumindest in Teilzeit nachgehen. Durch die Doppelbelastung
der Mütter in Beruf und Haushalt wird zwangsläufig die gemeinsame Zeit für
Toben, Unternehmungen und Sport reduziert. Daher legen Eltern Wert darauf, dass
Sport im Kindergarten oder in der Schule angeboten wird.
So wünschen sich 57 Prozent der Befragten einen abwechslungsreichen Sportunterricht.
53 Prozent wollen für ihre Kinder attraktive Spielflächen an der
Kindertagesstätte oder auf dem Schulhof. Die Praxis sieht jedoch anders aus: Es
gibt immer weniger Sportangebote an den Schulen. Und auch die Kreativität des
Sportunterrichts lässt zu wünschen übrig. "In Schulen wurde in den letzten
Jahren in Technik wie Computer und Internet investiert. Turnhallen und
Sportgeräte wurden aber vernachlässigt", sagt Andreas Ernst, der Staatsrat
der Behörde für Bildung & Sport in Hamburg.
Für mehr Sport in Kindergärten und Kindertagesstätten macht sich jetzt
Elefanten stark. Die Kinderschuhmarke hat anlässlich ihres 80jährigen Bestehens
den Elefanten-Preis für sportliche Kindergärten ausgeschrieben. Die
sportlichsten Kindergärten in Deutschland werden mit Geldpreisen von insgesamt
13.000 Euro bedacht. Bewerbungsunterlagen gibt es unter http://www.elefanten.de.