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25.06.2008 11:50

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Gesellschaft+Politik | Politiker+Aktivisten | Nachhaltigkeit

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Waldkindergarten und Waldschule auch in der Schweiz möglich!

Lernen im Grünen: Mit Naturmaterial basteln und nach Herzenslust rumrennen – das können Kinder im Wald bestens. Und neuerdings auch das Einmaleins lernen.




Aus dem Migros-Magazin vom 23.06.08:


Die 16 Kinder im Bus von Baden AG auf die Baldegg tragen Wanderschuhe, Rucksäcke und Langarm-T-Shirts. Die Hosenbeine haben sie in die Socken gestopft, wegen der Zecken. Die Gruppe ist unterwegs zu ihrem Klassenzimmer, dem Wald. Ob Regen, Schnee oder Sonnenschein: Die Kinder vom Waldkindergarten sind an jedem Schultag im Badener Wald anzutreffen. Als Basis dient das «Waldsofa», ein mit Ästen gebautes Rondell, das von einer Plastikplane überdacht ist. Auf dem Weg zum «Waldsofa» sammeln die Kinder am Wiesenrand Material für die heutigen Lektionen: Löwenzahn, Gänseblümchen, Butterblumen. «Wir bauen eine Wasserleitung, legen Blumen-Sudokus und basteln Zauberblumen», erklärt Kindergärtnerin Sibylle Egloff (37). Nach einer naturpädagogischen Zusatzausbildung unterrichtet sie das vierte Jahr begeistert im Waldkindergarten.

Beim «Drachenloch» beginnt kurz darauf eine Gruppe von Kindern die Wasserleitung zu bauen. Tim erklärt, wie man die Löwenzahnstängel zusammenstecken muss: «Ein dünner, dann ein dicker, dann ein dünner.» Jakob zieht mit einer Spritze Wasser auf und presst es in die Löwenzahnleitung. «Es rünnt!», ruft Sandra. Zusammen mit der Praktikantin Michelle versuchen die Kinder nun fieberhaft, die undichten Stellen zu flicken. Ohne es zu merken, trainieren sie dabei Feinmotorik, Geduld, Konzentration und suchen nach kreativen Lösungen. Alle Kinder machen den ganzen Vormittag über motiviert bei den verschiedenen Posten mit.

Neu auch eine Waldschule
«Ich arbeite sozusagen im Teamteaching mit dem Wald», sagt die Kindergärtnerin. «Der unebene Boden, die Jahreszeiten und das vielfältige didaktische Material aus der Natur sind meine Partner.» Der Wald schaffe Nähe zwischen den Kindern und fördere die Teamarbeit. Ausserdem müsse man sich hier präzise ausdrücken, damit man zum Beispiel wisse, welcher Baum als Treffpunkt gemeint sei.

Nach den Sommerferien wird ein Teil dieser Kinder auch den ersten Schultag im Wald erleben. Denn der Waldkindergarten wird ausgebaut zur «Basisstufe vier bis acht». Damit nimmt der private Trägerverein NaturSpielWald die im Kanton Aargau (und anderen Kantonen) geplante Verschmelzung von Kindergarten mit der ersten und zweiten Klasse zur Basisstufe vorweg. Verena Speiser (49), Präsidentin von NaturSpielWald, sagt: «Das hat sich über die Jahre hinweg so ergeben. Zuerst waren die Waldspielgruppen, daraus entstand der Kindergarten und jetzt eben die Basisstufe.»

Die Erfahrungen waren so gut, dass viele Eltern sich wünschten, ihre Kinder auch die ersten zwei Schuljahre in den Wald zu schicken. Speiser ist überzeugt: «Wenn ein Kind sich das Wissen aneignen kann, wie aus einem Buchennüsschen ein Baum wird, so gelingt es ihm später auch zu lernen, wie man einen Computer bedient.» Kindergärtnerin Egloff ergänzt: «Gemäss meiner Erfahrung kann das kognitive Denken nicht nur auf A4-Blättern geschult werden.» Tatsache ist: Die Kinder aus dem Waldkindergarten haben sich bisher problemlos in die Primarschule integriert.

Bauwagen als Schreibstube
Ohne trockenen Ort zum Schreiben und Lesen wird auch die künftige Waldschule nicht auskommen. Dafür ist vorläufig ein alter Bauwagen vorgesehen. Das Interesse an der Waldschule ist gross: Kaum hatte der Erziehungsrat sie als Privatschule anerkannt, waren die 25 Plätze ausgebucht – trotz Schulgeld. Chiara, die jetzt das zweite Waldkindergartenjahr besucht, wird im August in die Waldschule eintreten. Ihre Mutter Ursula Staubli, selber Primarlehrerin, hat keine Angst, dass ihre Tochter zu wenig lernen könnte. «Sie kennt jetzt schon mehr Pflanzen und Vögel als ich», sagt sie. «Ich bin überzeugt, dass man sich den Lernstoff der ersten zwei Schuljahre sehr gut im Wald aneignen kann.» Chiara sei ein Bewegungskind und brauche die Ruhe, die der Wald ausstrahle. Das Wichtigste aber: Chiara ist glücklich im Wald.

...und wie die Umfrage auf www.migrosmagazin.ch zeigt, finden 85% Waldkindergärten und Waldschulen sinnvoll.




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